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24.11.2005 Anfrage

Anfrage zur Sicherung von Ausbildungsplätzen

Anfrage von Bärbel Holzheuer-Rothensteiner zur Sicherung von Ausbildungsplätzen:

Meine Damen und Herren! Ich frage den Senat:

  1. Welche Möglichkeiten sieht der Senat, langfristig ein ausreichendes Angebot an Ausbildungsplätzen zu sichern?
  2. Wie bewertet der Senat in diesem Zusammenhang die Forderung der Bundes-GEW, mehr schulische „Lehrstellen“ zu schaffen?

Präsident Momper:

Danke schön, Frau Abgeordnete! - Frau Staatssekretärin Ahlers hat das Wort zur Beantwortung. - Bitte schön, Frau Ahlers!

Frau Ahlers, Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen:

Vielen Dank, Herr Präsident! - Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Abgeordnete! Sie wissen alle, dass die Ausbildungsplatzsituation in Berlin - und nicht nur in Berlin - nicht ganz einfach ist und wir immer die Schwierigkeit haben, genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Deswegen wurde im letzten Jahr die Ausbildungsplatzinitiative ins Leben gerufen. Auch die Sonderkommission zur Ausbildungsplatzsituation in diesem Jahr hat verabredet, die entsprechenden Maßnahmen weiterzuführen. Wir gehen davon aus, dass das nicht nur für dieses Jahr notwendig ist, sondern diese Situation uns voraussichtlich auch noch im nächsten und übernächsten Jahr begleiten wird.

Von Berliner Seite aus sehen die Maßnahmen folgendermaßen aus: Wir finanzieren anteilig 1 955 Ausbildungsplätze im Bund-Länder-Sonderprogramm und stocken dieses Programm mit Landesmitteln auf 3 000 Plätze auf. Außerdem stellen wir über MDQM Ausbildungsplätze bereit und haben ein Angebot an vollzeitschulischen Berufsausbildungsgängen wie auch an berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen der Berliner Schulen.

Nichtsdestotrotz sind das Wichtigste weiterhin die dualen Ausbildungsplätze in den Unternehmen. Die Berliner Wirtschaft konnte dieses Jahr das erste Mal mehr betriebliche Ausbildungsplätze anbieten als in den Jahren davor. Unser Ziel ist es weiterhin, allen Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerbern einen Ausbildungsplatz anzubieten. Das werden wir voraussichtlich mit ergänzenden Ausbildungs- und Qualifizierungsangeboten von unserer Seite aus auch weiter machen müssen.

Wir bemühen uns bei der Bundesregierung um die Weiterführung des Bund-Länder-Sonderprogramms über die nächsten Jahre hinaus. Wir gehen davon aus, dass wir diese Unterstützung noch bis zum Jahr 2009 benötigen, weil sich insbesondere in Berlin die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen nicht in dem Maße reduzieren wird, wie das in den anderen Bundesländern der Fall ist.

Das MDQM-Angebot wird im nächsten Jahr als Regelangebot an den Berliner Schulen angeboten werden. Auch das bisherige Angebot an vollzeitschulischen und berufsvorbereitenden Ausbildungsgängen wird aufrechterhalten. Wir wollen auch über die Förderung und Unterstützung der Verbundausbildung in kleinen und mittleren Unternehmen Ausbildungsplätze sichern und werden das auch weiterhin finanziell über unsere unterschiedlichen Programme unterstützen.

Die Frage zu den vollzeitschulischen Ausbildungsplätzen möchte ich folgendermaßen beantworten: In den letzten Jahren sind die vollzeitschulischen Ausbildungsplätze immens angestiegen. Das hat natürlich auch etwas mit den Rückgängen der betrieblichen Ausbildungsplätze zu tun. Ich will hier nur zwei Zahlen nennen: Wir hatten noch im Jahr 1995 ca. 7 000 vollzeitschulische Ausbildungsplätze, und zurzeit sind es 17 000, die sich in diesen schulischen Ausbildungen befinden.

Wir haben in Berlin schon länger auf vollzeitschulische Ausbildungsberufe gesetzt. Wir haben das gemeinsam mit den Kammern verabredet - auch dass die Zulassung zur Abschlussprüfung vor den Kammern möglich wurde - und ergänzen mit diesem Angebot die betriebliche Ausbildung seit Jahren. Wir gehen davon aus, dass diese Entlastung weiterhin notwendig ist.

Für eine zusätzliche Ausweitung dieses Angebots in der quantitativen Form sehen wir im Moment keinen Bedarf. Wir können uns aber vorstellen, dass es z. B. in neuen oder in wachstumsorientierten Branchen möglicherweise Sinn machen kann, neue vollzeitschulische Ausbildungsgänge anzubieten. Das kann aber nur sinnvoll angeboten werden, wenn es mit den Kammern und Verbänden und auch mit dem Landesausschuss für Berufsbildung abgestimmt wird. Diese vollzeitschulischen Ausbildungsgänge müssten aber in jedem Fall Bedingungen und Kriterien erfüllen wie z. B., dass sie anschließend in eine Beschäftigung einmünden können und vor allem nicht in Konkurrenz zur dualen Berufsausbildung treten.