Gernot Klemm zur 29. Sitzung des Untersuchungsausschusses Tempodrom am 19. August 2005
Heute war der »Tag der Architekten« im Ausschuss. In der Sitzung wurden vor allem Erkenntnisse zu den Bauplanungen für das Neue Tempodrom vertieft. Erste Zeugin war die freie Architektin Jutta Kalepky, die 1994 einen ersten Entwurf für das Tempodrom vorgelegt hatte. Dieser Entwurf lag der Bewilligung verschiedener Fördermittel zugrunde, unter anderem aus dem Umweltförderprogramm.
Da die von Jutta Kalepky veranschlagten Baukosten über den Vorstellungen der Bauherren lagen, wurde lange über Einsparmöglichkeiten diskutiert. So wurden die Geschosszahl reduziert und die Dachkonstruktion umgeplant, so dass die Kosten auf 32 Mio. DM "gedrückt" werden konnten. Das Produkt dieser Umplanungen gefiel dann offensichtlich nicht mehr den Initiatoren.
Gebaut wurde schließlich nach völlig anderen Plänen. Nach internen Verhandlungen mit dem Hamburger Star-Architekten Meinhard von Gerkan wurde 1999 der Vertrag mit Jutta Kalepky ohne Begründung gekündigt. Binnen vierzehn Tagen erhielt ohne weitere Ausschreibungen das Büro "Gerkan Marg und Partner" (gmp) vom Stiftungsrat den Auftrag für die Planung und Realisierung des Neuen Tempodrom. Von seinem Büro wurden zeitgleich Pläne für ein Veranstaltungsgebäude in Nanking in China erarbeitet, welche dem heutigen Tempodrom erstaunlich ähneln. Jutta Kalepky erhielt nie die von ihr veranschlagten Planungskosten und liegt darüber noch heute in Auseinandersetzungen mit dem Insolvenzverwalter.
Als zweiter Zeuge der heutigen Sitzung erschien der Architekt Stephan Schütz, der bei gmp für das Tempodrom zuständig war. Nach seiner Darstellung war gmp nur für "planerische, technische, künstlerische Belange" verantwortlich, nicht aber für die Schätzung bzw. Einhaltung der Baukosten. Diese wurden durch das Büro "Bauplanungs und Steuerungs AG am Lützowplatz" (BAL) berechnet und bearbeitet. Nach Aussagen von Stefan Schütz hat es keinerlei Kostenkalkulationen der gmp gegeben. Zwar konnte sich kein Abgeordneter vorstellen, wie eine Planung von den Kosten getrennt behandelt werden kann – der Zeuge beharrte aber trotz entsprechender Nachfragen auf seiner Aussage. Offensichtlich konnten durch diese absurde Aufgabenverteilung die Tempodromgründer Irene Moessinger und Norbert Waehl mit "ihren Architekten" ungestört und nach Belieben über Vorstellungen zum Bau philosophieren ohne sich mit lästigen Kostenfragen herumschlagen zu müssen.
Als weitere Zeugen wurden noch Bernhard Braig, Geschäftsführer der Einhorn Gastronomie GmbH, die die Gastronomie im Tempodrom betreibt und Catering bei Veranstaltungen liefert, und Dr. Katrin Schickhoff, Mitarbeiter der Fraunhofer Management mbH, die die fachliche Zulässigkeit der umweltentlastenden Maßnahmen im Rahmen des Umweltentlastungsprogramms der EU zu prüfen hatte, gehört.