Zurück zur Startseite
17.02.2007 Beschluss der Fraktion

Für bessere Bildung

Auf ihrer Klausur in Dessau fasste die Berliner Linksfraktion folgende Beschlüsse:

 
1.
Zur notwendigen Verbesserung bzw. Entspannung der Personalsituation im Schulbereich und der Reduzierung von Belastungen der Lehrkräfte setzt sich die Linksfraktion ein für:

  • ein sofortiges Entlastungssignal für Lehrerinnen und Lehrer durch ein Bürokratie-Moratorium, verbunden mit der Aufforderung sich in den Prozess der Entbürokratisierung und der Umgestaltung der Schulbehörde in eine Dienstleistungseinrichtung einzubringen.
    Wir begrüßen die Einsetzung der Projektgruppen zum Bürokratieabbau, zum Qualitätsmanagement für die Schulaufsicht sowie zur Verbesserung der Lehrkräfteplanung und -zuteilung durch Senator Zöllner. Für den Zeitraum bis zum Vorliegen der Ergebnisse Projektgruppen wollen wir für die Schulen ein Moratorium für Rundschreiben, Berichte und bürokratische Anforderungen, bis geklärt ist, was gebraucht wird, und was besser organisiert werden kann und muss. Dies muss verbunden werden mit dem Aufruf an Lehrerinnen und Lehrer und Erzieherinnen und Erzieher ihre Erfahrungen in diesen Prozess einzubringen. 
     
  • Unterstützung für die Schulen durch Personal aus einem öffentlich geförderten Beschäftigungssektor.
    Lehrerinnen und Lehrer sollen von den Aufgaben entlastet werden, die nicht zu ihrer Kerntätigkeit gehören. Hierfür bietet der Öffentlich geförderte Beschäftigungssektor eine Chance. Nach einer Qualifizierung können pädagogisch sensibilisierte Arbeitslose in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen LehrerInnen, ErzieherInnen, insbesondere durch die Übernahme von Verwaltungs- und Organisationstätigkeiten (z.B. Statistiken führen, Ergebnisse von Vergleichsarbeiten eingeben, Druckvorlagen und Kopien erstellen) unterstützen. Sie können zusätzliche Aufgaben und Projekte wie z.B. in Schulbibliotheken, Zusammenarbeit mit dem Kiez, Verstärkung außerunterrichtlicher Aktivitäten, Projekte von Künstlern an den Schulen, Unterstützung von produktiven Lernen übernehmen.
     
  • die Wiedereinführung von Altersteilzeit für Beamte durch neue, intelligente Modelle.
    Dadurch kämen wir schneller zu Neueinstellungen jüngerer Lehrerinnen und Lehrer. Zugleich bekommen auch ältere Lehrerinnen und Lehrer dadurch eine Berufsausstiegsperspektive die ihnen die Möglichkeit gibt, Überforderung und Überlastung zu vermeiden und trotzdem ihre Fähigkeiten einzubringen. 
     
  • Prüfung von Einsatzmöglichkeiten und Tätigkeiten für Lehrerinnen und Lehrer, denen sie unter Umständen auf Grund ihres Alters und bestimmter gesundheitlicher Belastungen besser gerecht werden können als bei voller Unterrichtsbelastung.
    Die derzeitige Situation mit hohen Belastungen einerseits und einer überalterten LehrerInnenschaft andererseits befördert Überlastungs- und Überforderungssituationen, die nicht selten zu Dauerkrankheit oder vorzeitigem Ausscheiden aus dem Berufsleben führen. Dieser Weg ist für die Betroffenen meist nicht der beste und für Berlin ein sehr teurer.

 
2.
Die Pilotphase für die Gemeinschaftsschule wird zügig vorbereitet, damit erste Schulen schon zum nächsten Schuljahr mit der Entwicklung und Umsetzung ihrer Konzepte der Entwicklung zur Gemeinschaftsschule starten können.

Dafür müssen :

  • rechtzeitig zum nächsten Schuljahr die rechtlichen Voraussetzungen durch eine Änderung des Schulgesetzes geschaffen werden,
     
  • schnell die Strukturen in der Verwaltung für die Umsetzung geschaffen werden,
     
  • noch im Frühjahr die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen und das Beteiligungsverfahren geklärt werden, damit erste Schulen nach den Osterferien ihr Interesses an der Teilnahme der Pilotphase bekunden können.

Schulen sollen jedoch auch in den nächsten Jahren in die Pilotphase Gemeinschaftsschule einsteigen können, so dass alle, die es wollen, genügend Zeit und Unterstützung bei der Vorbereitung haben können.

 
3.
Die Hauptschulen müssen Hilfe bei der Bewältigung ihrer Probleme und eine Perspektive zu ihrer Überwindung erhalten, ohne dass das Berliner Schulsystem in die Sackgasse der Zweigliedrigkeit geht.

Die Probleme in der Hauptschule sind der deutlichste Ausdruck für das Scheitern des gegliederten Schulsystems. Durch Optimierungen im System können sie nicht überwunden werden. Die nachhaltige Alternative zur Hauptschule ist die Gemeinschaftsschule. Mit der Pilotphase beschreiten wir den Weg dorthin, ohne in die Sackgasse der Zweigliedrigkeit zu laufen. Angesichts der drängenden Probleme und der gesellschaftlichen Stigmatisierung der Hauptschulen reicht es nicht aus, allein auf die Gemeinschaftsschule zu verweisen. Speziell den Hauptschulen muss eine Perspektive geboten werden, die sofort beginnt.Deshalb will die Linksfraktion:

  • eine Beteiligung von Hauptschulen an der Pilotphase sichern.
    Dadurch kann gezeigt, dass das bisherige Hauptschulklientel ohne Selektion besser gefördert werden kann.
     
  • jenseits der Pilotphase alle Vorhaben unterstützen, die Selektion zurückzufahren oder aufzuheben. 
     
  • Hauptschulen deshalb die Möglichkeit geben, auf freiwilliger Basis aus dem rechtlichen Korsett des Hauptschulbildungsganges auszubrechen.
    Durch eine Öffnung im Schulgesetz sollen sich Hauptschulen aus sich heraus oder durch Zusammenschluss mit Realschulen zu integriert verbundenen Haupt- und Realschulen entwickeln können, ohne den Zwang nach Bildungsgang getrennte Lerngruppen mit einrichten zu müssen.
     
  • gleichzeitig das bestehende Arbeitsprogramm Hauptschule fortsetzen und wo nötig ergänzen.
    Vernetzung der Hauptschulen untereinander, gezielte Fortbildung, Unterstützung bei der Schulprogrammentwicklung, Ausstattung mit Sozialarbeitern, Berufsorientierung, Kooperation mit freien Trägern oder mit der Wirtschaft sind sinnvoll zur Stabilisierung der Hauptschulen.
     
  • Pädagogische Innovationen an den Hauptschulen für das gesamte Schulwesen nutzbar machen.
    Zum Teil aus der Not geboren sind viele Hauptschulen Vorreiterinnen: Neuerungen wie Produktives Lernen, verstärkter Praxisbezug, Auflösen von starren Unterrichtsstrukturen sind beispielhaft.