Berlin steht für kulturelle Vielfalt, die ohne Neugier, Offenheit und Akzeptanz nicht zu haben ist. Diese Tugenden sind nicht angeboren, sondern in einem langen Prozess gereift. Allerdings werden sie täglich neu auf die Probe gestellt. Von jedem Gast, der die Stadt bereist. Und von Menschen, die anders denken und anders leben als die vermeintliche Mehrheit. Menschen mit unterschiedlichen Identitäten, Lebensentwürfen und sexuellen Orientierungen.
Mit der rechtlichen Gleichstellung von Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft hat Berlin bundesweit auf Initiative der Fraktion DIE LINKE eine Vorreiterrolle eingenommen. In diesem Jahr wird Berlin darüber hinaus alle landesrechtlichen Spielräume genutzt haben, um Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung
bzw. Identität zu begegnen. Dessen ungeachtet häuften sich in den vergangenen Monaten Übergriffe auf Lesben, Schwule, Transsexuelle und Transgender.
Deshalb beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus Anfang April 2009 eine Initiative gegen Homo- und Transphobie, bei deren Entwicklung die Fraktion DIE LINKE federführend war. Ihr Titel ist Programm: »Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt«. Die Initiative zielt auf Vorbeugung und gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Da sich die Akzeptanz kultureller und sexueller Vielfalt nicht verordnen lässt, will das Land Berlin Aufklärung, Bildung und Zivilcourage mit 24 Maßnahmen fördern, die der Ablehnung unterschiedlicher sexueller Lebensweisen entgegenwirken sollen. Diese Charta der Vielfalt soll zum integrativen Bestandteil der Verwaltung werden.
Akzeptanz sexueller Vielfalt ist in der Gesellschaft leider noch nicht Konsens. Homophobie, diese irrationale Angst angesichts eines nicht in das eigene Selbstbild passenden Werte- und Idealschemas, äußert sich je nach Ausprägung in Vorurteilen, diskriminierendem Verhalten, ausgeprägtem Hass oder körperlicher Gewalt. Dafür gibt es keine Entschuldigung.
Aber tatsächliche Gleichstellung ist viel schwerer umzusetzen als die rechtliche. Hier reicht keine Parlamentsmehrheit. Die Initiative gegen Homo- und Transphobie richtet sich an alle Berlinerinnen und Berliner. Denn Akzeptanz beruht auf Freiwilligkeit.
Im Zentrum der Initiative stehen Aufklärung und Bildung. Denn laut Simon-Studie haben viele Berliner Jugendliche nach wie vor homophobe Einstellungen. In dieser Studie beantworteten rund 1.000 Schülerinnen und Schüler aus Berliner Gesamtschulen und Gymnasien über 60 Fragen zur individuellen Lebenszufriedenheit, zum Umgang mit Sexualität, zu Partnerschaftsvorstellungen, Religiosität, Homo- und Transsexualität.
Die Ergebnisse zeigen erhebliche Diskrepanzen zwischen dem Ideal des positiven Zusammenlebens unterschiedlicher Minderheiten und der tatsächlichen Akzeptanz. Sie zeigen auch: Wer selbst nicht integriert ist, wer sich aus einer Gemeinschaft ausgeschlossen fühlt, schließt schnell andere aus.
Die Berliner Initiative gegen Homo- und Transphobie umfasst 24 Maßnahmen zu insgesamt sieben Schwerpunkten. Hier eine Auswahl:
Bildung und Aufklärung stärken
Diskriminierung, Gewalt und vorurteilsmotivierte Kriminalität bekämpfen
Wandel der Verwaltung vorantreiben
Erkenntnisgrundlagen verbessern
Dialog und Kooperation fördern
Bundesinitiativen anstoßen und öffentlich begleiten
Berlin hat seinen Beitrag zur rechtlichen Gleichstellung von Ehe und Lebenspartnerschaft geleistet. Im Bundesmaßstab sieht die Bilanz deutlich anders aus. Auch die europäischen Maßnahmen zur Antidiskriminierung werden in Deutschland verzögert. Die Fraktion DIE LINKE wird sich dafür einsetzen, dass Berlin sich auch zukünftig im Bundesrat und in öffentlichen Debatten deutlich vernehmbar zu Wort meldet, damit
die Gleichstellung vollzogen und Diskriminierungen wirksam entgegengetreten wird.
Fraktion DIE LINKE. im Abgeordnetenhaus von Berlin
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V.i.S.d.P. Klaus Lederer, MdA
Berlin, Juni 2009
Auflage 3.000
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