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Juni 2008

Gut von Anfang an

Kindertagesstätten in Berlin

Gut betreut – individuell gefördert

Die rot-rote Koalition hat in Berlin seit 2002 die umfangreichste Bildungs- und Strukturreform in der vorschulischen Förderung von Kindern seit der Wende umgesetzt. Unser Ziel war und ist es, die Einheit von Bildung, Erziehung und Betreuung vom ersten Lebensjahr an zu verwirklichen. 2005 haben wir diesen Anspruch in einem modernen Kindertagesförderungsgesetz für Berlin verankert. Studien belegen, dass Kinder, die möglichst lange in die Kita gehen, deutlich größere Entwicklungsfortschritte machen und besser auf die Schule vorbereitet sind.

Auch in unserer Stadt nehmen die sozialen Gegensätze zu. Mehr als 40 Prozent der Kinder unter sieben Jahren leben von staatlichen Transferleistungen. Die Kita ist der richtige Ort, um Kinder mit sozialen oder anderen Benachteiligungen aufzufangen und Chancengleichheit bei ihrer Entwicklung zu gewährleisten.

Rechtsanspruch für jedes Kind

Wir setzen uns dafür ein, dass jedes Kind schon vor Schuleintritt individuell gefördert wird – unabhängig davon, ob die Eltern arbeiten, sich in Ausbildung befinden oder auf Arbeitssuche sind. Wir wollen keine Kita-Pflicht. Unser Ziel ist ein uneingeschränkter Rechtsanspruch, bei dem nicht das Jugendamt, sondern Kinder und Eltern selbst entscheiden, ob und wie lange sie einen Platz nutzen möchten.

Bundesweit gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Halbtagsplatz für Kinder ab drei Jahren. Berlin geht darüber hinaus. Bei uns können Eltern soziale, familiäre oder pädagogische Gründe geltend machen, wenn sie einen Platz für ihr Kind wünschen oder wenn das Kind die Einrichtung länger als einen halben Tag besuchen soll. Kinder können in Berlin schon in dem Jahr in die Kita gehen, in dem sie das dritte Lebensjahr vollenden. Für Kinder mit Sprachförderbedarf gilt der Rechtsanspruch bereits ab vollendetem zweiten Lebensjahr. Ab August 2009 werden alle Kinder im Jahr vor der Einschulung einen Rechtsanspruch für einen Teilzeitplatz von bis zu sieben Stunden erhalten.

Bundesweit soll ab 2013 ein Rechtsanspruch für Kinder ab vollendetem ersten Lebensjahr eingeführt werden. Der Bund zielt auf eine Versorgungsquote von 35 Prozent für Kinder dieser Altersgruppe. In Berlin gehen jetzt schon über 40 Prozent der Jüngsten in die Kinderkrippe. Über 90 Prozent aller Kinder ab drei Jahren besuchen die Kita. Im Jahr vor der Einschulung sind es sogar noch mehr. Über die Hälfte geht ganztags in die Kita. Fast jedes dritte Kind nutzt die Kita fünf bis sieben Stunden. Zirka jedes achte Kind nutzt einen Halbtagsplatz. Berlin ist damit bundesweit Spitze.

Wahlfreiheit mit Kita-Gutschein

Mit der Anmeldung erhalten Eltern vom Jugendamt einen Kita-Gutschein. Damit können sie sich eine Einrichtung aussuchen. Ob es sich um eine Kita in Wohnortnähe handelt oder eine Kita mit einem besonderen pädagogischen Profi l, ob bei einem freien Träger oder in einem kommunalen Eigenbetrieb – Eltern und Kinder entscheiden selbst. So erfüllen wir den gesetzlichen Anspruch auf Wahlfreiheit bei einer Vielfalt von Angeboten, die gleiche Qualitätsstandards erfüllen müssen.

Beitragsfrei im Vorschuljahr

Wir setzen uns dafür ein, dass vorschulische Bildung allen Kindern zugänglich ist – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Seit Anfang 2007 gehen alle Kinder vor der regulären Einschulung beitragsfrei in die Kita. 2010 wird das zweite Kita-Jahr beitragsfrei sein. Ab 2011 zahlen die Eltern für die Kita-Zeit nur noch einen Beitrag für die Essenversorgung. Ein einheitlicher Essenbeitrag von 23 Euro pro Kind und Monat, unabhängig vom elterlichen Einkommen, ist Bestandteil der Förderung im Kindergarten. Dafür erhalten die Kinder ein gesundes, warmes Mittagessen. Bewegung, Sport und Spiel gehören zum Alltag in den Einrichtungen. Regelmäßige ärztliche und zahnärztliche Untersuchungen geben den Eltern wichtige Hinweise für eine gesunde Entwicklung ihrer Kinder.

Viele Berliner Kitas sind Integrationseinrichtungen. In ihnen werden Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam gefördert. Dafür gibt es zusätzliches und besonders geschultes Personal. Entwicklungsauffälligkeiten und drohende Behinderungen können hier frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Das Berliner Bildungsprogramm

Unser Bildungsprogramm ist verbindliche Grundlage der pädagogischen Arbeit aller öffentlich geförderten Kitas in der Stadt. Es soll die Jüngsten von Anfang an beim Erkunden ihrer Umwelt unterstützen. Jedes Kind ist einzigartig, deshalb soll es auch individuell gefördert werden. Das Programm umfasst alle Lebensbereiche: Bewegung und Gesundheit ebenso wie soziale und kulturelle Umwelt, Kommunikation, Sprachen, Schriftkultur und Medien, bildnerisches Gestalten, Musik, mathematische, naturwissenschaftliche und technische Grunderfahrungen.

Ein Sprachlerntagebuch für jedes Kind

Sprachauffälligkeiten sind nicht nur ein Problem von Kindern mit Migrationshintergrund. Sie sind in erster Linie ein Problem von Kindern, die in schwierigen sozialen Verhältnissen aufwachsen. Ein Jahr vor Schuleintritt werden in Berlin Sprachstandsmessungen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder, die in die Kita gehen, seltener Probleme haben, besonders wenn sie länger als ein Jahr die Kita besuchen. 2007 zeigten sich bei ca. jedem fünften Kita-Kind sprachliche Probleme. Bei den Nicht-Kita-Kindern war jedes zweite auffällig. Ab 2008 wird die verbindliche Sprachförderung für sprachauffällige Kinder auf ein Jahr vor Schuleintritt

bei drei Förderstunden pro Tag ausgebaut. Jedes Kita-Kind hat ein Sprachlerntagebuch, in dem seine Entwicklung dokumentiert wird.

Reform der Fachausbildung

Gute Bildungsarbeit braucht qualifi ziertes Personal und Zeit für jedes Kind. Wir setzen uns dafür ein, dass die Personalausstattung für die Kitas verbessert wird. Erzieherinnen und Erzieher benötigen Vor- und Nachbereitungszeiten, Leiterinnen und Leiter mehr Zeit, um den Kita-Alltag zu organisieren.

Wir haben 2004 in Berlin einen Modellstudiengang auf Fachhochschulniveau eingeführt, der nach sieben Semestern mit dem Bachelor abschließt. Weitere Berliner Fachhochschulen folgen diesem Beispiel. Wir setzen uns dafür ein, dass künftig alle Erzieherinnen und Erzieher einen Fachhochschul- oder Universitätsabschluss haben müssen.

Gleiche Bedingungen für alle Kitas

Die Berliner Kita-Landschaft wurde in den letzten Jahren völlig umstrukturiert. Für zwei Drittel der Plätze tragen nunmehr gemeinnützige und anerkannte freie Träger der Jugendhilfe Verantwortung. Ein Drittel ist und bleibt auch zukünftig in kommunaler Hand. Seit 2006 sind die kommunalen Plätze in fünf Eigenbetrieben organisiert. Unabhängig von der Trägerschaft finanziert das Land die Plätze nach gleichen, vertraglich vereinbarten Grundsätzen. Das ist die Voraussetzung, um für alle Kinder gleiche Bedingungen zu gewährleisten. Das Land Berlin hat mit den Kita-Trägern eine Qualitätssicherungsvereinbarung abgeschlossen, die garantiert, dass in allen Einrichtungen nach dem Bildungsprogramm gearbeitet wird.

Wir wenden uns gegen Bestrebungen der Bundesregierung, die vorschulische Förderung für privat-gewerbliche Träger zu öffnen und gewinnorientiert arbeitende Einrichtungen mit staatlichen Zuschüssen zu fördern. Zugang und Erwerb von Bildung dürfen weder in Kita noch Schule Profitinteressen unterworfen werden.

Dateien:
flyer_kita.pdf