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26. Januar 2012 Wolfgang Brauer

Berliner Notizen (101) - Endlich Frost

Heute ist der 25. Januar und den ganzen Tag wars kalt und in der Nacht wird’s noch kälter. Das ist zwar nicht gut für frierende Menschen. Aber für die sammelt eine Bürgerinitiative gebrauchte Schlafsäcke. Gut dagegen ist das für den Senat und die mit Straßenflicken  und ähnlichen Baumaßnahmen beauftragten Firmen. Nämlich wäre das mit den Temperaturen weiter so im plusmäßigen Bereich geblieben, wäre die schöne Ausrede mit dem extrem kalten Winter in Sachen Schlaglöcher Flöten gegangen wie unser großer König. So besteht Hoffnung. Damit kann man trefflich zum Beispiel den misslichen Zustand kaschieren, dass vor dem Sommer nichts läuft mit Reparieren, weil es nicht bezahlt werden kann. Dann nämlich erst wird Berlin – immerhin ein knappes Jahr nach den Wahlen, so schnell geht das bei uns – einen bestätigten Landeshaushalt haben und 25 Millionen Euro für ein Schlaglochsonderprogramm locker machen. Die Summe steht schon mal fest. Darüber freut sich dann zum Beispiel ein gewisser Reinhold Dellmann (SPD). Der war mal als „Infrastrukturminister“ in Brandenburg für die Pflege der märkischen Schlaglöcher zuständig und ist jetzt in Berlin Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau. Vorsorglich orakelte der schon mal über eventuelle Frosteinbrüche Mitte November 2012. So mahnt man ein Sonderprogramm für 2013 an, weil man ja in einem knappen Vierteljahr keine 25 Millionen ausgeben kann.

Aber ein Gutes hat die Sache: Der Alltagsverkehr in der Hauptstadt wird wochentags immer langsamer. Am Wochenende geht auch nichts, da sind Demos oder kulturell-sportliche Aufzüge. Renate Künasts Vision – Sie erinnern sich, unsere Beinahe-Bürgermeisterin mit dem Tempo-30-Programm – wird auch ohne die Grünen Wirklichkeit. Das senkt die Feinstaubbelastung, nutzt den Mineralölkonzernen (Wirtschaftsförderung!) und zwingt die Autofahrer zum Innehalten. Auf den ÖPNV („öffentlicher Personennahverkehr“) werden die dennoch nicht umsteigen. Die Busse stehen im selben Stau. Und: „In Berlins U-Bahnsystem mehren sich die Feuerwehreinsätze“, meldete der Tagesspiegel am 17. Januar und die S-Bahn übt immer noch Bremsen und den Betrieb von Stellwerken und außerdem sucht sie neuerdings Fahrer. Auch das Umsteigen auf den Regionalverkehr der Bahn ist risikobehaftet: 27% aller Züge fahren in Berlin mit Verspätung. Berlin entschleunigt sich und das ist gut für die Lebensqualität. Außer man will zu einem bestimmten Zeitpunkt von einem Punkt A zu einem Punkt B. Selber Schuld!

Mein Rat: Ignorieren Sie das alles einfach. So wie unser vortrefflicher Stadtentwicklungsausschuss mit dem noch vortrefflicheren Senator an seiner Seite, der auch für Verkehr zuständig ist. Die ließen sich heute im VIP-Bus durch die Gegend fahren. Übers Tempelhofer Feld, das jetzt Tempelhofer Freiheit heißt. Da ist kein Stau. Und Volk bei dem Wetter auch nicht.

(25.01.2012)