16. Wahlperiode - 81. Sitzung: Wolfgang Brauer zum Freiheits- und Einheitsdenkmal
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!
Der arme B. B.! – Na gut! – Verehrte Frau Kollegin Eichstädt-Bohlig! Wir stimmen Ihnen zu, dieses Verfahren war alles andere als – sagen wir mal so – nett Berlin gegenüber.
[Christoph Meyer (FDP): Berlin ist ja auch nicht nett dem Bund gegenüber!]
Die Debatte allerdings – das ist das Einzige, wo ich dem Kollegen Braun zustimme – ist eine Debatte sozusagen post mortem. Ihr Antrag hat sich – leider Gottes – erledigt. Die Messen sind gesungen. Die Entscheidungen sind gefallen. Sie fielen tatsächlich nicht in diesem Haus, da haben Sie recht, das ist hoch bedauerlich. Aber dieses hat eine sechs-, siebenhundertjährige Tradition.
Fast alle Entscheidungen in Angelegenheiten des Schlosses auf der Spree-Insel fielen in den Kabinetten irgendwelcher Fürsten, und sie fielen immer gegen die Stadt, sie bestimmten immer über das Gesicht der Stadt. Das ist durchaus eine Kontinuität, über die man sich ärgern kann, die aber einigermaßen dem Faden der Geschichte entspricht.
Sie wollen in Ihrem Antrag einen Diskussionszeitraum. Den kriegen Sie jetzt noch mal. Den kriegen wir alle. Zwei bis drei Jahre, dann soll diese – wie stand heute in der Zeitung zu lesen? – „Deutschland-Wippe“, „Freiheitsschaukel“ oder wie auch immer fertig sein. Dann kann man sich entweder blamiert fühlen, oder man hat einen hübschen Punkt für die Kinder, deren Elternschaft die Museen besucht. Alles ganz nett!
Mit dem eigentlichen Ansinnen – da stimme in Ihnen zu – hat das nichts zu tun. Berlin, die Bundesrepublik Deutschland verfügen über hervorragende Denkmale, die an die Herstellung der Einheit, die Überwindung der Spaltung erinnern. Ich zähle nur einige wenige auf: Mödlareuth in Thüringen, Marienborn in Sachsen-Anhalt, in Berlin sind es zuvörderst Marienfelde und die Bernauer Straße. An diesen Punkten – dieses Wort kann man dann doch von diesem Haus in Richtung Deutscher Bundestag richten – hätte ich mir die 10 Millionen Euro, die das Ganze kosten soll, entschieden sinnvoller, entschieden nützlicher und zielbringender angelegt vorstellen können.
Was wir hier erleben werden, ist einfach ein Versuch eines diskursiven Rückgriffs in die Mottenkiste des 19. Jahrhunderts, als man glaubte, man könne mit möglichst pompösen Einheitsdenkmalen – nach 1871, sicherlich – eine Homogenität der Gesellschaft herstellen, die so einfach nicht vorhanden ist. Nehmen Sie dies bitte zur Kenntnis!
Kümmern wir uns um die originären Orte, die wir in dieser Stadt tatsächlich an fast jeder Ecke finden! Damit würden wir unseren Kindern und Kindeskindern einen viel größeren Gefallen tun, als mit einer wie auch immer optimal gestalteten, ästhetisch mehr oder weniger beeindruckenden Betonwippe. – Vielen herzlichen Dank!
[Beifall bei der Linksfraktion – Vereinzelter Beifall bei den Grünen – Mario Czaja (CDU): Brauer ist der Karl Marx für Arme!]